FAQ DGNB Zertifikat

Wer ist die DGNB?
Die DGNB ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die von Akteuren aus der gesamten Bau- und Immobilienwirtschaft gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, nachhaltiges Bauen voranzutreiben. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die kontinuierliche Weiterentwicklung eines ganzheitlichen Zertifizierungssystems für nachhaltige Bauwerke im In- und Ausland. Die DGNB hat über 1000 Mitglieder aus der Bau- und Immobilienwirtschaft einschließlich Wissenschaft, Forschung und öffentlicher Verwaltung. Zu den Mitgliedern gehören mittelständische wie große Unternehmen, es gehören Ingenieur- und Architektenkammern dazu, Verbände und Hochschulen, aber auch Kommunen – und viele andere, die das nachhaltige Bauen und Betreiben von Gebäuden fördern und voranbringen möchten.
Welche Gebäudetypen können das DGNB Zertifikat erhalten?
Mit der Entwicklung des Nutzungsprofils „Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude“ hat die DGNB den Grundstein für das deutsche Zertifizierungssystem erfolgreich gesetzt. Auf Basis des DGNB Kernsystems ist es jederzeit möglich, neue Nutzungsprofile aufzubauen. Eine Übersicht über die derzeit verfügbaren Nutzungsprofile finden Sie hier >>
Ist die Zertifizierung von Gebäuden eine freiwillige Maßnahme?
Die Zertifizierung beruht auf dem Prinzip der Übererfüllung und ist eine freiwillige Maßnahme.
Wer hat die Grundlagen für das Zertifizierungssystem erarbeitet?
Die Grundlage des deutschen Zertifizierungssystems wurden gemeinsam von der DGNB und dem Bundesbauministeriums BMVBS entwickelt. Das System basiert in hohem Maße auf den sehr umfangreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten von DGNB Mitgliedern aus der gesamten Bau- und Immobilienwirtschaft. Desweiteren flossen Ergebnisse von Forschungsprojekten des BMVBS in die Entwicklung ein sowie Empfehlungen des Runden Tisch Nachhaltiges Bauen am BMVBS.
Als Basis für die Bewertung dienen deutsche bzw. europäische Baustandards und Normen.

Um die starke Nachfrage nach gebäudespezifischen Nutzungsprofilen des Zertifizierungssystems, die vom Markt geforderte Entwicklungsgeschwindigkeit und die rasant fortschreitende Internationalisierung der Arbeit der DGNB optimal umsetzen zu können, entwickelt die DGNB seit Oktober 2009 das System eigenständig als DGNB Zertifizierungssystem weiter. Das BMVBS stellte parallel hierzu Richtlinien für ein öffentliches Anerkennungsverfahren für Zertifizierungssysteme bereit. Vom BMVBS entsprechend dieser Richtlinien eingehend geprüfte und anerkannte Systemvarianten dürfen zukünftig den Zusatz „geeignetes Bewertungssystem für das nachhaltige Bauen“ tragen. Das DGNB Zertifizierungssystem für das Nutzungsprofil „Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude“ wurde bereits vom Ministerium anerkannt.

Wie sehen die Mitgestaltungsmöglichkeiten aus?
Der DGNB ist es sehr wichtig, dass die verschiedenen Branchen ihr spezifisches Fachwissen und ihre Interessen von Anfang an einbringen. So kann für alle Nutzungsprofile des DGNB Zertifikats ein qualitativ hochwertiges und praxisorientiertes System entwickelt werden, das passgenau auf den jeweiligen Markt zugeschnitten ist. Die Entwicklung des Systems wird im Rahmen der DGNB Arbeitsgruppen durch die ehrenamtliche Tätigkeit von über 370 DGNB Mitgliedern vorangetrieben.
Eine Übersicht über die DGNB Arbeitsgruppen finden Sie hier >>
Wie macht das DGNB Zertifikat "Nachhaltigkeit" fassbar?
Als übersichtliches Bewertungssystem deckt das DGNB Zertifizierungssystem alle relevanten Felder des nachhaltigen Bauens ab. Sechs Themen fließen in die Bewertung ein: Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte, Technik, Prozesse und Standort. Jedes Themenfeld ist in mehrere Kriterien aufgeschlüsselt, etwa Energiebedarf oder Flächenverbrauch. Für jedes Kriterium bestehen messbare Zielwerte, für die maximal 10 Punkte vergeben werden. Alle Kriterien werden je nach Bedeutung unterschiedlich gewichtet und innerhalb der einzelnen Themenfelder zu einer Note zusammengefasst. Die Themenfelder Ökologie, Ökonomie und soziokulturelle und funktionale Aspekte sowie Prozesse gehen mit je 22,5 Prozent in die Gesamtbewertung eines Gebäudes ein, Technik mit 10 Prozent. Die Standortqualität wird separat ausgewiesen. Auf diese Weise sorgt das DGNB Zertifikat für eine umfassende, differenzierte und insbesondere zielorientierte Betrachtung der Gebäudequalität.
Wie sehen die nächsten Schritte für weitere Nutzungsprofile aus?
Das Zertifizierungssystem wurde im ersten Schritt für das Nutzungsprofil Neubau - Büro und Verwaltungsgebäude entwickelt. Seit März 2009 wurden in der DGNB weitere Arbeitsgruppen gebildet, die das Zertifizierungssystem für neue Nutzungstypen angepasst haben und weiterentwickeln. Die Kriterien des DGNB Zertifizierungssystems werden hierzu an die Anforderungen der verschiedenen Gebäudearten angepasst, dies betrifft etwa Indikatoren, Zielwerte und Gewichtungen der einzelnen Kriterien.

Grundsätzlich gilt dabei: Das DGNB Zertifikat wird von Experten aus der Praxis für die Praxis entwickelt, das heißt von Architekten, Ingenieuren, Bauunternehmen, Herstellern, Investoren, Immobiliendienstleistern, Immobilienökonomen, Verbänden, politischen Vertretern usw.

Eine Übersicht über die derzeit verfügbaren Nutzungsprofile finden Sie hier >>

Wie wird ein Gebäude zur Zertifizierung angemeldet?
Die Anmeldung eines Gebäudes für die DGNB Zertifizierung nach bestehenden Nutzungsprofilen wird in Abstimmung mit dem Bauherrn vom beauftragten DGNB Auditor vorgenommen. Eine Übersicht über die ausgebildeten Auditoren finden Sie hier >>

Die Projektanmeldung erfolgt über unsere Website >>

Bauherren, Investoren, Architekten und andere Marktteilnehmer, die Interesse an einer Zertifizierung nachkünftigen Nutzungsprofilen haben, können sich mit dem entsprechenden Projekt registrieren >>

Was versteht man unter Konformitätsprüfung?
Nach der Einreichung aller erforderlichen Unterlagen durch den Auditor erfolgt eine unabhängige und inhaltliche Prüfung bei der DGNB, ob die Vorgaben des DGNB Zertifikats umgesetzt wurden. Durchgeführt wird diese inhaltliche Prüfung im Rahmen von zwei Prüfungen durch mindestens zwei von der DGNB benannte unabhängige Konformitätsprüfer. Nach der ersten Prüfung ist es dem Auditor möglich etwaige Rückfragen der Prüfer zu beantworten oder falls erforderlich noch weitere Dokumentationen nach zu reichen. Die Vergabe des Zertifikats erfolgt nach der Freigabe der Prüfergebnisse durch den Zertifizierungsausschuss.
Welchen Aufwand erfordert die Dokumentation?
Der zusätzliche Dokumentationsaufwand für eine Gebäudezertifizierung nach den Richtlinien des DGNB Zertifikats ist vergleichsweise gering. Rund 80 Prozent der erforderlichen Unterlagen fallen in einem „herkömmlichen“ Planungs- und Bauprozess ohnehin an. Die restlichen 20 Prozent ergeben sich aus der ganzheitlichen Betrachtungsweise, die dem Zertifizierungssystem zugrunde liegt. Es handelt sich dabei in erster Linie um Daten für die Ökobilanz sowie zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Gebäudes, die bislang nicht durch gesetzliche oder normative Vorgaben geregelt sind.
Wie unterstützt das DGNB Zertifikat die Planung von Gebäuden?
Das DGNB Zertifikat ist ein Instrument, das in der Planungsphase hilft eine klare Zieldefinition vorzunehmen und die relevanten Stellschrauben für die Gebäudeoptimierung zu erkennen und zu bearbeiten. Es gibt eine klare Orientierung, welche Themen für nachhaltiges Bauen heute relevant sind und zeigt für jedes Thema aktuelle Benchmarks auf. Es sorgt für Transparenz in allen Bereichen und hilft, beispielsweise auch Zielkonflikte zwischen Ökonomie und Ökologie sinnvoll zu lösen. Auf diese Weise fördert es das Finden einer optimalen Lösung.
Was beinhaltet die Version des Nutzungsprofils „Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude, Version 2009“ im Vergleich zu jener von 2008?
Im Rahmen der Entwicklung des Zertifizierungssystems haben DGNB und BMVBS Ende 2008 das gesamte System einem intensiven Praxistest unterzogen: Stimmt die Gewichtung der Kriterien, sind die Zielwerte richtig gesetzt, sind die Arbeitsabläufe bei der Dokumentation praxisgerecht? Das Ergebnis der Erprobungsphase ist die Systemversion 2008 für das Nutzungsprofil „Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude“. Auf dieser Basis verliehen Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee und DGNB Präsident Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Werner Sobek die ersten 16 Zertifikate und 12 Vorzertifikate für Büro- und Verwaltungsgebäude im Januar auf der BAU in München.

In einer systematischen Kommentierungsphase durch die DGNB Arbeitsgruppen und die Arbeitsgruppen des Runden Tisches Nachhaltigen Bauens des BMVBS wurden Anregungen und Verbesserungsvorschläge aus dem Praxistest geprüft und gegebenenfalls eingearbeitet, um das System entsprechend zu optimieren. Die Marktversion 2009 steht nun seit Ende 2009 zur Verfügung. Sie baut also auf der gleichen Grundlage auf wie die Version 2008.
Wie waren die Reaktionen auf die ersten Zertifizierungen?
Die DGNB erhält viele begeisterte Reaktionen aus dem In- und Ausland auf ihre Initiative und das neue System. Die bisher bestehenden Zertifizierungssysteme orientieren sich stark an den Aspekten Umwelt und Energie. Mit dem DGNB Zertifikat geht die DGNB deutlich über diese primär ökologische Betrachtung hinaus und bewertet die Qualität eines Gebäudes im umfassenden Sinne.

Beeindruckend bei den ersten Zertifizierungen ist vor allem die enorme Bandbreite der Gebäude. Wird allein die Größe betrachtet, reicht die Spanne vom Verwaltungsgebäude mit 600 qm für ein mittelständisches Unternehmen bis zum Büroturm im Herzen von Frankfurt mit 130.000 qm Bruttogrundfläche. Genauso vielseitig sind die baulichen Lösungen, um den Energieverbrauch zu verringern, den Nutzerkomfort zu erhöhen oder die laufenden Kosten im Griff zu behalten. Diese Vielschichtigkeit ist sehr anregend. Darin besteht ein großer Gewinn des DGNB Zertifikats. Mit diesen ersten Gebäuden ist sichtbar geworden, dass Zertifizierungen durch einen integralen Planungsansatz einen deutlichen Vorteil für die Gebäudeperformance bieten.

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